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1. Taping: Verbandstechnik zur Prävention und Theraphie

2. Einsatzgebiete der funktionellen Taping-Verbände

2.1 Prävention und Rehabilitation: Taping schützt und entlastet

2.2 Erstversorgung: Taping stabilisiert und entlastet

2.3 Theraphie: Taping unterstützt die Heilung

2.4 Wirkung auf Haut, Gefäße und Muskeln

3. Wann funktionelle Verbände einsetzen und wann nicht

3.1 Indikationen "für" funktionelle Verbände

3.2 Indikationen "gegen" funktionelle Verbände

4. Tape-Verbände anlegen - Vorbereitung der Haut

5. Regeln zum richtigen Anlegen

5.1 Die fünf "A" beim Tapen

6. Aufbau des Tape-Verbandes

6.1 Ergänzungselemente

7. Nachbehandlung der Haut



1. Taping: Verbandstechnik zur Prävention und Theraphie


Hochleistungs- und Extremsportarten beanspruchen die unterschiedlichsten Strukturen des Bewegungsapparats und bergen ein hohes Risiko für Verletzungen. Entsprechend der Sportart werden Knie-, Sprung- Hand- oder Fingergelenke sowie die Gelenke von Schulter, Rücken oder Ellenbogen belastet. Zur Vorbeugung und Minimierung von Verletzungen der Gelenke oder des Bandapparates benutzen die Sportler funktionelle und stützende Verbände, sogenannte Tapes.
Die Technik des „Taping“ entwickelte sich aus der Erfahrung heraus, dass konventionelle Verbände den Anforderungen während hoher sportlicher Belastung selten standhalten. Der Begriff Taping ist von dem amerikanischen Begriff „adhesive tape“ abgeleitet, was übersetzt Verbandspflaster heißt. Taping bezeichnet zum einen die funktionellen Verbände, die aus speziellen Materialien bestehen und sich den wechselnden Anforderungen während sportlicher Aktivität ständig anpassen. Zum anderen beinhaltet der Begriff Taping eine spezielle Verbandstechnik.
Tape-Verbände werden prophylaktisch verwendet, wenn die Gelenke bereits vorgeschädigt oder fehlgestellt sind und die Gefahr einer (erneuten) Verletzung besteht. Weiterhin kann mit der Taping-Technik die Verschlimmerung von Verletzungsfolgen verhindert und die Regeneration wirkungsvoll unterstützen werden.
Durch eine passive und stabilisierende Wirkung sichern Tape-Verbände die gezielte Führung der Gelenkbewegung und haben nach neusten Erkenntnissen zusätzlich einen aktiven neuromuskulären, propriozeptiven Effekt (Effekte auf Haut, Muskulatur und Gefäße), vor allem, wenn die Verbände direkt mit der Haut verklebt werden. Je nachdem welche Funktion der Verband ausüben soll, werden elastische oder starre, luftdurchlässige, selbsthaftende oder gepolsterte Tapes verwendet.
Heute gehören die Verbandsmaterialien und die Technik des Taping zum Standard der medizinischen Betreuung von Spitzensportlern in fast allen Disziplinen. Unentbehrlich sind Tape-Verbände auch für die meisten Hobbysportler.

 


 

2. Einsatzgebiete der funktionellen Taping-Verbände


2.1 Prävention und Rehabilitation: Taping schützt und entlastet


Der funktionelle Verband schützt durch die jeweilige Verbandsführung das Gelenk vor Überlastung und einer Verletzung. Das ist besonders wichtig, wenn eine Fehlstellung des Gelenks vorliegt oder bereits eine Vorschädigung durch eine zurückliegende Verletzung besteht. Ein richtig angelegter Tape-Verband führt das Gelenk gezielt in seiner Bewegung. Der Bewegungsspielraum wird dabei so eingeschränkt, dass bei sportlicher Belastung ein Weggleiten der Gelenkanteile in verletzungsgefährdete Bereiche nicht mehr möglich ist. Auf diese Weise stabilisiert und schont der Tape-Verband Muskeln und Sehnen, ohne das Gelenk in seiner Beweglichkeit zu beeinträchtigen.

 

2.2 Erstversorgung: Taping stabilisiert und entlastet


Berufs- und Spitzensportler, die sich während eines Wettkampfes oder Tuniers eine leichte Verletzung (Prellungen, Zerrungen) zuziehen, haben durch das Taping die Möglichkeit ihr Tunier fortzuführen, ohne eine Verschlimmerung der Verletzung zu riskieren. Vielmehr wird durch den Tape-Verband der entstandene Schaden begrenzt, indem das verletzte Gelenk stabilisiert und entlastet wird. Der Verband schränkt dabei lediglich den Bewegungsspielraum der verletzten Struktur ein und gewährleistet eine weitgehend schmerzfreie Beweglichkeit.

 

2.3 Therapie: Taping unterstützt die Heilung


Gelenke, deren Bänder, Sehnen oder Muskeln vorgeschädigt sind, aber keiner totalen Ruhigstellung bedürfen, können durch einen funktionellen Verband entlastet und gestützt werden. Der Verband wird bei der Taping-Technik so angelegt, dass das unelastische Tape dem Verlauf der verletzten Bänder folgt und dadurch teilweise deren Funktion übernimmt. Die Bewegung des Gelenks bleibt so im schmerzfreien Bereich. Durch die gezielte Ruhigstellung der verletzten Struktur bleiben zudem alle anderen Funktionen soweit wie möglich durchführbar. Damit sind die besten Voraussetzungen für eine schnelle Heilung gegeben, ohne dass eine totale Bewegungseinschränkung in Kauf genommen werden muss. Der Sportler kann nach einer Schädigung sein Training schnell wieder aufnehmen. Konditionsabbau, Rückbildung der Muskulatur und der Verlust des technischen Könnens durch absolute Ruhigstellung werden vermieden. Ausserdem hat der Sportler bei Verwendung eines funktionellen Verbandes weniger das Gefühl krank oder behindert zu sein, als das bei der totalen Immobilisation z. B. mit Gipsverband der Fall ist.

 

2.4 Wirkung auf Haut, Gefäße und Muskeln


Ein funktioneller Verband wird znächst angelegt, um den Bewegungsapparat zu stabilisieren und zu führen. Tape-Verbände haben aber auch Einfluss auf die Haut, Gefäße und Muskulatur.
Tape-Verbände, die selbsthaftend und dehnungsfähig sind, passen sich den Bewegungen der Extremitäten an und üben dadurch einen massageähnlichen Effekt auf die Haut aus. Dadurch wird eine Verbesserung der Durchblutung und der Blutversorgung der Haut erzielt. Medikamente auf einem unter den Verband gelegten Träger werden durch die Bewegung zwischen Haut und Verband in die Haut einmassiert, besser resorbiert und können auch in tieferen Schichten wirksam sein.
Unnachgiebige und gering dehnbare Verbände verbessern Schwellungen, die durch eine venöse Stauung oder als posttraumatische Ödeme entstanden sind. Der Verband erhöht den Druck auf das Gewebe und verbessert den Transport in den Venen und Lymphgefäßen. Bei dem Wechselspiel von Anspannung und Erschlaffung der Muskulatur während der körperlichen Aktivität verstärkt der Tape-Verband zusätzlich die Pumpwirkung der Muskulatur. Dieser Verband muss regelmäßig erneuert werden, da sich der Umfang der Extremität mit dem Rückgang der Schwellung reduziert. Unmittelbar nach einer Verletzung angelegt, verhindert oder reduziert der funktionelle Verband die Ausbildung von Hämatomen (Blutergüssen) und Schwellungen.
Selbsthaftende und straffe Verbände stimulieren die Dehnungsmelder in der Muskulatur und den Sehnen, die sogenannten Propriozeptoren. Diese melden dem Gehirn Informationen zum aktuellen Spannungszustand und die augenblickliche Gelenkbelastung. Das Gehirn verarbeitet diese Informationen und regt über rückführende Nerven die betreffenden Muskelgruppen an. Ein gut angelegter Verband stimuliert auf diesem Wege eine Kontraktion der Muskulatur, was die Gelenke zusätzlich stabilisiert. Ein fest angelegter Verband aktiviert ausserdem die Rezeptoren in der Haut, die auf Druck reagieren. Durch diese erhält das Gehirn ebenfalls Signale, die Muskulatur anzuspannen und die Gelenke zu stabilisieren.

 

 

 


3. Wann funktionelle Verbände einsetzen und wann nicht

 

3.1 Indikationen "für" funktionelle Verbände


Bei Überlastungen und Verletzungen:

  • Muskulatur: Überdehnung, Zerrung, Quetschung, Faserriss, Entzündung, manche partielle Einrisse, Faszienriss
  • Bänder und Kapseln: Überdehnung, Zerrung, Quetschung, Einriss, manche isolierte Ruptur, leichte Verrenkungen des Gelenks (Luxationen)
  • Sehnen und Gleitgewebe: Zerrung, Entzündung, Sehnenansatzreizung, teilweise Schleimbeutelentzündung (Bursitis)
  • Knochen: Einrisse (Fissuren), Reizungen und Entzündungen der Knochenhaut (Periostitis), manche Frakturen
  • Knorpel: leichte Defekte

Zur Nachbehandlung:

  • Nachbehandlung nach konservativen, immobilisierenden Maßnahmen, wie z. B. Gipsverband
  • Ersatz bzw. Verkürzung der Dauer der totalen Immobilisation nach Operationen

Zur Rehabilitation:

  • geschwächter Kapsel-Band-Apparat
  • schwache Muskulatur
  • beginnende Arthrosen
  • permanente Überlastungsreize an der Muskulatur, Sehnen, Bänder, Knorpel und Kapselstrukturen
  • statische Veränderungen, spezielle am Fuß (Spreizfuß, Senkfuß)
  • Überlastungsschäden am Bewegungsapparat

3.2 Indikationen "gegen" funtionelle Verbände

  • Muskulatur: komplette Muskelruptur, manche Muskelteilrupturen, massive Muskelquetschungen, ausgedehnte Muskelentzündungen, große Muskelhämatome, Muskelverletzungen mit Blutung, ausgedehnte Faszienrisse, entzündlicher Rheumatismus, Kompartment-Syndrom.
  • Bänder, Kapseln, Sehnen: Komplette Kapsel-Bandrupturen, manche isolierte Bandrupturen, knöcherne Bandausrisse, Sehnenrupturen, Sehnenausrisse, manche Verrenkungen (Luxationen), Gicht
  • Knochen: Frakturen, ausgedehnte Knochenhauteinrisse, Knochennekrosen (Absterben von Knochengewebe)
  • Knorpel: Massive Knorpeldefekte, Knorpelfraktur, Arthritis, fortgeschrittene Arthrose

4. Tape-Verbände anlegen - Vorbereitung der Haut


Weitgehend intakte Haut ist die Voraussetzung für das Anlegen von Funktionellen Verbänden. Kleine Hautdefekte können mit sterilen Pflastern abgedeckt werden. Bei großen Wundflächen sowie allergischen Hautreaktionen sollten Funktionelle Verbände jedoch nicht angelegt werden.

Der enge Kontakt zwischen Verband und Haut ist eine wichtige Voraussetzung für die Wirksamkeit und den sicheren und dauerhaften Sitz des Verbandes. Die Haut des Patienten muss deshalb trocken und sauber sein. Rückstände von Schweiß, Öl, Fett oder Puder bilden einen Trennfilm, der den direkten Kontakt zwischen Kleber und Haut verhindert. Für die Hände des Verbindenden gelten die gleichen Bedingungen. Die Hände sollten daher gewaschen, sorgfältig getrocknet und evtl. mit Desinfektionsmitteln gereinigt werden. Eine Rasur der Haut ist nur bei sehr starker Behaarung erforderlich.

Bei sehr empfindlicher Haut und für Dauerverbände empfiehlt es sich, zusätzlich einen Unterzug als Hautschutz anzulegen. Dafür geeignet sind elastische Klebebinden (Active-Bandage) oder der sehr dünne Hautschutz Pretape.






5. Regeln zum richtigen anlegen

 

  1. Diagnose: Bei Verletzungen ist die Grundvoraussetzung für einen Tape-Verband die exakte Diagnose durch den Arzt. Bei unklaren Diagnosen niemals tapen! Prophylaktische Verbände zum Schutz und zur Schonung gefährdeter Strukturen können dagegen immer angelegt werden.
  2. Material: Die Art des Verbands sowie die Auswahl des Materials richtet sich nach der Diagnose und dem Behandlungsziel. Das Material muss in entsprechender Qualität und Menge in Griffweite vorbereitet sein.
  3. Lagerung: Der Patient sollte immer in bestmöglicher Stellung, in der das geschädigte oder zu schonende Gelenk entlastet ist, verbunden werden.
  4. Hautbehandlung: Die Haut muss vorbehandelt werden. Kleine Hautverletzungen sollten abgedeckt sein.
  5. Bestimmung der Gelenkposition: Vor dem Anlegen erfolgen Bestimmung und evtl. Korrektur der Gelenkposition in der verbunden werden soll. Die Position wird entweder mit geeigneten Hilfsmitteln fixiert oder der Patient hält aktiv die vorgegebene Gelenkposition. Während des Anlegens darf die Position nicht geändert werden. Bei prophylaktischen Verbänden orientiert sich sie Gelenkposition an der zu erwartenden Belastung.
  6. Anlegen: Der Verband muss schnell und exakt angelegt werden.
  7. Prüfen: Jeder Verband muss nach dem Anlegen unter aktiver Belastung, z. B. durch Gehen, auf seine Festigkeit und Funktion überprüft werden. Dabei steht die Schmerzfreiheit bei Belastung im Vordergrund.
  8. Information: Der Patient muss über Zweck des Verbands, Belastbarkeit, Pflege und mögliche Komplikationen aufgeklärt werden.
  9. Kontrolle: Für Verbände, die für längere Zeit angelegt sind, ist eine Kontrolle nach einigen Tagen erforderlich.
  10. Abnehmen: Der Verband sollte so schonend wie möglich abgenommen werden, um die Haut nicht übermäßig zu reizen.

5.1 Die fünf "A" beim Tapen


Tapes immer in dieser Reihenfolge anlegen:


  1. Abmessen
    Das Tape in der Länge von der Rolle abziehen, die zum Verbinden benötigt wird.
  2. Ansetzen
    Das Tape zum Verarbeiten gespannt halten. Dann einen geeigneten Ansatzpunkt aussuchen und am Körper die benötigte exakte Länge feststellen.
  3. Abreißen
    Das Tape nicht direkt am Verband abreißen, sondern vor dem Anlegen.
  4. Anlegen
    Mit dem Tape keine nicht physiologische Verlaufsrichtung erzwingen.
  5. Anmodellieren
    Durch leichten Druck das Tape anmodellieren. So wird der innige Kontakt mit der Haut und damit der sichere Sitz des Verbands erreicht.

 

6. Aufbau des Tape-Verbands - Hauptsegmente


  1. Ankerstreifen
    Die Anker markieren die Grenzen des Verbandes und werden als erstes angelegt. Sie müssen gut auf der Haut haften, denn an ihnen werden die Zügel fixiert. Als Ankerstreifen werden Tapes eingesetzt, die ohne Zug angelegt werden.
  2. Basistouren
    Basistouren werden als Grundverband angelegt, wenn zusätzlich eine Kompressionswirkung erzielt werden soll.
  3. Zügel
    Die Zügel sind die tragenden Elemente des Tape-Verbands, die mit ihren Enden an den Ankern fixiert sind. Durch die Zügel wird die Funktion des Verbandes bestimmt, denn sie verlaufen meist parallel zu den verletzten Strukturen und entgegen der Bewegung, die zu der Verletzung führte. Die Zügel entlasten Muskeln, Bänder, Sehnen und Kapseln und führen die Bewegungen. Die Art der Zügelung und ihr Verlauf richten sich nach der Verletzungsart und der Funktion, die der Verband ausüben soll.
  4. Fixierstreifen
    Mit Fixierstreifen werden die Zügel, die teilweise unter Zug stehen, Lage für Lage auf den Ankerstreifen befestigt, so dass sich die Zügel nicht ablösen können. Sie verlaufen in der Regel quer zu den Zügeln.
  5. Verschalung
    Die Verschalung ist die letzte Schicht des Tape-Verbands. Die Verschalungsstreifen schließen den Verband ab und sorgen für eine gleichmäßige Kompression sowie Verklebung der einzelnen Verbandschichten untereinander. Der Verband erhält eine feste, geschlossene Hülle.

6.1 Ergänzungselemente


  1. Haftvermittler
    Haftvermittler verbessern die Haftung zwischen Haut- und Verbandmaterial und wirken als Hautschutz.
  2. Polsterung
    Polstermaterial dient zum Auffüllen von Vertiefungen und zum Abpolstern oder Hohllegen von Vorsprüngen sowie als Medikamententräger z. B. von Salben.
  3. Unterzug
    Der Unterzug bildet eine Schicht zwischen der Haut und den eigentlichen tragenden Segmenten des Verbandes, den Zügeln. Er dient primär als Hautschutz, kann aber durch entsprechende Anlagetechnik und durch Auswahl des geeigneten Materials zur weiteren Stabilität des Tape-Verbands beitragen. Er fixiert Formteile und Polster.
  4. Sicherungsstreifen
    Durch den auf den fertigen Verband aufgeklebten Sicherungsstreifen wird der Verband an mechanisch besonders belasteten Stellen, z. B. der Ferse, zusätzlich gestützt.

 

 

7. Nachbehandlung der Haut

 

Nach Entfernen des Verbandes empfiehlt es sich, die Haut mit einer Creme einzucremen, die den Säureschutzmantel sowie den Fett- und Feuchtigkeitsgehalt der Haut erhält. Soll ein Folgeverband angelegt werden, muss entweder auf das Eincremen verzichtet oder abgewartet werden, bis das Hautpflegemittel vollständig von der Haut aufgenommen wurde, um eine sichere Haftung des Verbandes zu gewährleisten.

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